Anforderungen nehmen zu

Die durch den Klimawandel bedingten Chancen und Herausforderungen, Abhängigkeiten, regulatorischen Eingriffe und Kundenerwartungen nehmen weiterhin zu. Jüngstes Beispiel ist die Verabschiedung der EU-Richtlinie zur verpflichtenden Berichterstattung von nicht-finanziellen Kennzahlen – also auch Emissionsdaten. Auch die jüngst von Barack Obama verkündete Neuregelung der US-Umweltbehörde EPA zur drastischen Reduzierung des CO2-Ausstoßes der US-Kohlekraftwerke, die angekündigten Maßnahmen zur Minimierung der Luftverschmutzung in China sowie der zu verzeichnende Anstieg von regionalen Emissionshandelssystemen, v.a. in Asien, zeigen, dass Anforderungen an die Wirtschaft eher zu- als abnehmen.

Europäische Union (April 2014)
Das Plenum des Europäischen Parlaments hat die Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen verabschiedet. In Zukunft sollen große Unternehmen im öffentlichen Interesse mit mehr als 500 Mitarbeiter/innen Strategien, Risiken und Daten im Bezug auf ökologische und soziale Aspekte in ihren Lageberichten offenlegen. Laut EU-Kommission sind rund 6.000 an der Börse gelistete sowie nicht-gelistete Unternehmen und Konzerne in der EU betroffen.

Über die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes entscheiden die EU-Mitgliedsstaaten individuell. Die Überführung in nationale Gesetze muss bis 2016 erfolgt sein. Die verpflichtende Berichterstattung wird somit voraussichtlich zum ersten Mal für das Geschäftsjahr 2017 Anwendung finden. (Quelle: ec.europa.eu – European Commission – The EU Single Market – Accounting – Non-Financial Reporting, 15.04.2014)

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der EU Kommission. Eine Kurz-Einschätzung der European Coalition for Corporate Justice (ECCJ) können Sie hier einsehen.

Diese Entwicklung wird die Rahmenbedingungen unserer Projektarbeit in den nächsten zwei Jahren beeinflussen. Da gerade die Klimakomponente unter den nicht-finanziellen Informationen eine hohe Materialität für Unternehmen darstellt, werden wir die Umsetzung der Richtlinie entsprechend beobachten und an geeigneter Stelle in unserer Projektarbeit aufnehmen.

Vereinigte Staaten von Amerika (Juni 2014)
Der Treibhausgasausstoß amerikanischer Kohlekraftwerke soll bis 2030 um 30% gegenüber 2005 gesenkt werden. Einen entsprechenden Plan hat die US-Umweltbehörde EPA am 02. Juni 2014 vorgestellt. Die Bundesstaaten können die Emissionsreduktion auf vielfältige Weise erreichen, sei es durch die Einführung von Emissionshandelssystemen, durch Energieeffizienzmaßnahmen oder die Förderung von erneuerbaren Energien. Es handelt sich um das bislang ambitionierteste Klimaschutzprojekt der Regierung von Barack Obama. Es baut auf dem Entschluss von 2013 auf, den Bau von Kohlekraftwerken im In- und Ausland nicht mehr finanziell zu fördern, wie es in der Vergangenheit der Fall war. (Quelle: epa.gov – Carbon Pollution Standards – Clean Power Plan Proposed Rule, 02.06.2014)

China (März 2014)
Bereits in 2013 starteten in China in mehreren Städten und Regionen (z.B. Peking, Shanghai und Shenzhen) Pilot-Emissionshandelssysteme. Diese sollen nach 2015 in ein nationales Handelssystem übergehen. Im März 2014 hat der chinesische Volkskongress nun angekündigt, die Luftverschmutzung in chinesischen Städten drastisch reduzieren zu wollen. Hierzu wurden zwei Maßnahmen präsentiert. Noch in diesem Jahr sollen sechs Millionen Autos mit zu hohem Abgasausstoß aus dem Verkehr gezogen werden. Zudem sollen 50.000 kleinere Kohleöfen stillgelegt und große Kohlekraftwerke saniert werden. (Quelle: spiegel.de – Nationaler Volkskongress: China erklärt „Krieg gegen Verschmutzung“, 05.03.2014)

Bislang haben sich China und die USA als weltweit größte Emittenten von Treibhausgasen bei der Formulierung von Klimazielen zurückgehalten. Interpretiert man die oben genannten Entwicklungen als Trend und sollte sich dieser fortsetzen, könnte er eine entsprechende Signalwirkung für die Verhandlungen der kommenden Klimaschutzkonferenzen in Lima und Paris sowie Auswirkungen auf die Materialität des Klimawandels für Unternehmen zur Folge haben.